Mein Interview im neuen „Photographen“: Die Sorgen der FotografInnen ernst nehmen und gemeinsam an Lösungen für die Zukunft arbeiten.
Mit positivem Denken, guter Ausbildung und kreativen Geschäftsmodellen bestimmen wir selbst, wohin unsere Reise geht.

„Niemand ist eine Insel!“

Sabine Starmayr ist seit 1. Juli neue Landesinnungsmeisterin der Berufsfotografen Oberösterreich. Im Gespräch mit dem „Photographen“ erzählt die Linzerin über die Kraft des positiven Denkens, ihre Motivation, Frauen-Power und neue Trends in der Fotografie.

Sie sind die erste weibliche Landesinnungsmeisterin in Oberösterreich. Worin sehen sie ihre wichtigsten Aufgaben in den nächsten Jahren?
Als Frau sollte man sich nicht darüber beschweren, dass diese Funktionen selten weiblich besetzt sind, sondern man muss auch Verantwortung übernehmen, wenn dir ein solches Amt angeboten wird. Bei den Berufsfotografen ist Gender Mainstreaming ohnehin kein großes Thema. Was mir wichtig ist: Ich will die Gemeinschaft und das Selbstverständnis der Berufsfotografen stärken, die tollen Leistungen der Kollegen noch mehr in den Vordergrund stellen und den Servicecharakter der Innung weiter ausbauen.

Was heißt das konkret?
Ich will besonders den Kontakt zur Basis verstärken – ich werde vierteljährlich in allen Teilen Oberösterreichs zu Talk-Runden einladen und direkt vor Ort die Sorgen und Probleme mit den Kollegen diskutieren. Davon erwarte ich mir wertvollen Input, der dann gemeinsam in konkrete Projekte und Problemlösungen umgesetzt wird. Die Gemeinschaftsausstellung „Menschenbilder OÖ“ ist ein wesentlicher Schritt, um die großartige Arbeit der Kollegen sichtbarer zu machen. Das Feedback in den Stationen der Tour und den Medien war überragend. Darüber hinaus veranstalten wir Branchentreffs mit Workshop-Charakter  wie zum Beispiel Unterwasserfotografie, Videomarketing und berufsspezifische Seminare. Wir wollen uns bestmöglich aufstellen. Jedes Jahr wird ein ganz Großer der Branche zu einer Präsentation geholt, der die Kollegen inspirieren soll. Wie im Juni Vincent Peters, der uns einen faszinierenden Einblick in seine Arbeit gegeben und uns fast philosophisch das Entstehen eines Bildes näher gebracht hat. Peters hat betont, wie wichtig ein eigener Stil ist – dem kann ich nur zustimmen.

Wie kann man den Servicecharakter der Innung ausbauen?
Mein Team und ich wollen den Mitgliedern noch deutlicher vor Augen führen, dass ihre Beiträge auch sehr sinnvoll, effizient und sparsam verwendet werden. Oft werden die Angebote der Innung bei rechtlichen, wirtschaftlichen und versicherungstechnischen Angelegenheiten viel zu wenig genutzt. Daher werden wir informieren und die vielen Möglichkeiten aufzeigen. Nach dem Motto: Wir sind für die Mitglieder da, nicht die Mitglieder für die Innung. Wir in Oberösterreich haben zudem die angenehme Situation, dass wir mit Doris Hummer eine innovative WKO-Präsidentin haben, die in Zeiten der Digitalisierung wichtige und kostensparende Reformen vorantreibt.

Mit welchen Problemen kämpfen die oberösterreichischen Berufsfotografen?
Mit den selben wie im übrigen Österreich. Wir sind heute in unserem Bundesland 1200 Kollegen und der Kuchen ist nicht größer geworden. Die Geschäftsmodelle von früher funktionieren nicht mehr so wie vor der Digitalisierung. Heute ist es wichtig, Nischen zu besetzen und Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten. Es reicht nicht mehr, gute Bilder zu machen, sondern auch der Service rund um einen Termin ist extrem wichtig. Der Besuch in einem Fotostudio sollte zu einem außergewöhnlichen Erlebnis werden, der fast Eventcharakter hat. Und wir müssen noch viel mehr Augenmerk auf Marketing legen. Ich habe vor zwei Jahren ein Buch über Marketing für Fotografen geschrieben mit dem Titel „Zoom – mit Fokus zu mehr Kunden. Und einen Vortrag gehalten mit dem provokanten Befehl: „Do the Fucking Work“ – wir müssen aufhören zu jammern und endlich unsere Möglichkeiten ausschöpfen. Was die Preise betrifft, dürfen wir uns nicht länger gegenseitig kannibalisieren. Niemand ist eine Insel.

Sie haben den Wandel in der Fotografie angesprochen. Was sind die neuesten Trends?
Den größten Trend und gleichzeitig die größte Herausforderung in der eigenen persönlichen Entwicklung sehe ich darin, seinen eigenen Stil zu finden und sich selbst kontinuierlich treu zu bleiben. Trotz aller Getriebenheit durch die täglichen Aufgaben muss man sich aber auch die Zeit nehmen und reflektieren, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet.

Wohin bewegt sich die Fotografie?
„Weniger ist mehr“ kommt wieder in Mode. International werden bei den Bildern große Weißräume und simple, unverfälschte Layouts verwendet. Ein Mangel an Inhalt und Aussage ist bei Fotos nicht mehr durch eine schöne Verpackung zu verschleiern. Die Welt dreht sich heute so schnell, dass wenigstens bei Bildern Entschleunigung angesagt ist. Natürliche Schönheit und Rückbesinnung auf nachhaltige Werte. Wie Vincent Peters immer sagt: Es kommt nicht darauf an, das technisch perfekteste Bild zu machen, sondern eines, das Stimmung und Emotionen hervorruft. Das eine Geschichte erzählt und auch den Fotografen selbst glücklich macht.

Sabine Starmayr ist Innungsmeisterin der Fachgruppe Berufsgruppen Oberösterreich und führt ein Fotostudio in Leonding. Die Wilheringerin hat sich auf Glamour-Portraits und Business-Branding-Fotografie spezialisiert. Sie ist Mitglieder der Arbeitsgruppe „Frau in der Wirtschaft“ Linz-Land und in diversen Frauennetzwerken wie Frauensache, engagiert sich für Tierschutz mit ihrem Charity-Event „Dog Days of Summer“ und für die Krebshilfe Oberösterreich.
Weiters ist sie als Coach und Workshopleiterin für fotospezifisches Marketing und Social Media tätig.

 

 

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